Sommerurlaub Wallis 2006
Man kann inzwischen schon von einer gewissen Regelmäßigkeit sprechen: Bei der Skihochtouren-Woche im Berner Oberland haben wir 1a-Bedingungen und bei der Hochtouren-Woche im Wallis ersaufen wir im Schnee. Aber der Reihe nach - geplant war folgendes: Ronald und ich treffen Patricia, Aitor und Matthias auf der Domhütte, um den Dom über den Festigrat in Angriff zu nehmen. Danach wollten wir in das Joch zwischen Hohberghorn und Stecknadelhorn aufsteigen und über einen Teil des Nadelgrats zur Mischabelhütte gelangen, um von dort eventuell noch eine weitere Tagestour (wir dachten z.B. an Hohberghorn-Nordwand) zu unternehmen. Genügend akklimatisiert wollten Ronald und ich uns dann abseilen und zu altbekannten Zielen aufbrechen: Weisshorntraverse, aber auch Matterhorn-Zmuttgrat standen zur Debatte. Daher machten wir uns mit ausreichend Verpflegung und bis unter die Zähne bewaffnet auf zur Domhütte. Der Rucksack war schon ohnehin behangen wie ein Christbaum, aber das i-Tüpfelchen war ein Gugelhupf den ich anlässlich zu Matzes Geburtstag auf der Deckeltasche befestigt hatte. So begleiteten mich ein süßlicher Geruch und leicht irritierte Blicke anderer Bergsteiger während des Aufstiegs. Nach landschaftlich sehr abwechslungsreichen 3,5 h erreichten wir die mit ca. 60 Bergsteigern gut gefüllte Domhütte. Allein der Ausblick von der Hütte, aber auch die Hütte selbst sind den Aufstieg wert. Und Kompliment an die Hüttenwirte, trotz der vielen Besucher war es eigentlich nie hektisch oder ungemütlich. Eine extra Runde Speziallikör des Hauses gabs für den Jubilaren zudem auch.
Am nächsten Morgen ließen wir es recht ruhig angehen und waren eine der letzten Seilschaften die sich auf den Weg machten. Der Weg geht zunächst über die mit Steinmännchen markierte Moräne bis man bei 3300 m den Festigletscher betritt. Von hier schlängelten wir uns noch immer bei Dunkelheit und ungemütlichen Wetter über teilweise recht passable Spalten durch den Gletscher, tendenziell immer links haltend bis zum Anstieg zum Festijoch. Bis dahin hatten wir ein paar Seilschaften überholt und waren nun inmitten des Pulks der Dom-Aspiranten. Der Aufstieg zum Festijoch war zwar mit einer dünnen glitschigen Schneeschicht versehen, aber der Anstieg ist nicht schwierig und zudem mit einigen Fixseilen versehen. Am Festijoch selbst hatte sich dann die ganze Meute versammelt, alles fror vor sich hin und irgendwie dauerte es eine ganze Weile, bis sich die erste Gruppe in Richtung Normalweg aufraffen konnte (und spuren musste). Für den Festigrat schien sich zunächst niemand zu interessieren, aber nachdem wir uns aufgemacht hatten, folgten tatsächlich noch zwei 2er-Seilschaften. Die Verhältnisse am Grat waren nicht ganz optimal, dafür wurde das Wetter besser. Der Grat ist an kurzen Stellen bis zu 50° steil, flacht aber Richtung Gipfel merklich ab. Aitor meinte, dass er den Festigrat in diesem Zustand anspruchsvoller als den Firnteil des Biancograts empfunden hätte, dies entsprach auch meiner Auffassung, wobei erwähnt werden sollte, dass wir am Biancograt gute Verhältnisse hatten. Man sollte sich möglichst nahe an der Gratscheide aufhalten, da sich direkt neben dem Grat Spalten befinden. Wir gingen ein recht gleichmäßiges und gemütliches Tempo und standen um 11:30 auf dem Gipfel, zu meiner großen Verwunderung alleine. Weit und breit war keine Seilschaft zu sehen. Ich konnte es mir nicht so ganz erklären: Waren wir so langsam gewesen? Klar wir waren zu fünft, dennoch: Man kann vom Gipfel in weite Bereiche des Normalwegs einsehen und es war keine Menschenseele auszumachen. Dass man keine richtige Spur erkennen konnte, erklärte ich mir durch Wind und Wetter. Wie auch immer, wir hatten jedenfalls den Gipfel für uns alleine und machten uns nach ca. 45 min Gipfelrast auf den Abstieg über den Normalweg. Nach kurzer Diskussion über die richtige Routenwahl, ging es unproblematisch, aber an großen Spalten vorbei, bergab. Im Abstieg sahen wir noch eine der anderen beiden Seilschaften vom Festigrat, diese hatte aber scheinbar aufgegeben und war auf dem Rückzug. Bei ca. 3900 m trafen wir auf eine breitgetretene Spur, die dann mitten durch die Überreste einer imposanten Eislawine wieder zum Festijoch führte. Wieder auf bekanntem Weg kamen wir, abgesehen von einem kleinem Ausrutscher meinerseits auf dem Festigletscher, wohlbehalten und rundrum zufrieden in der Domhütte an.
Hier stellte sich raus, dass wir bis dahin die einzige Seilschaft waren die den Gipfel erreicht hatte. Alle Anderen hatten an diesem Tag aufgegeben. Wieso ist mir bis heute etwas schleierhaft, da die Bedingungen zwar nicht perfekt, aber auch nicht wirklich schlecht waren. Wie auch immer, die eine der uns gefolgten 2er-Seilschaften erreichte letztendlich doch noch den Gipfel und kam Sage und Schreibe 5h (!!!) nach uns auf der Domhütte an. Der Rest ist schnell erzählt: Die Wettervorhersage für die nächsten Tage war so schlecht, das Patricia, Matthias und Aitor am nächsten Tag wieder nach hause fuhren und Ronald und ich zum klettern ins Tessin flüchteten (weiter soll es nach den Bildern gehen)
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Der zweite Teil harrt noch einer Beschreibung...