Skitourenwoche in den Lechtalern
Die erste Woche des neuen Jahres 2006 verbrachte ich mit Ronald und seiner Familie in Vorderhornbach.
Während Ingrid und Kathi die Pisten unsicher machten, gingen Ronald und ich auf Touren. Die ersten
3 Tage hatten wir eher trübes Wetter mit viel Neuschnee, danach aber 3 Tage Traumwetter. Da die Lawinenstufe die ersten 4 Tage auf 3 war
und jede Nacht 15cm - 25cm Neuschnee fielen, mussten wir uns auf einfachere, sichere Touren beschränken.
Ansonsten war es so, wie man es sich wünscht: Bester Schnee und kaum Leute unterwegs.
1. Tag: Krinnenspitze (2000m)
Am ersten Tag hatten wir uns am Parkplatz des
Krinnenlifts bei Nesselwängle verabredet. Normalerweise
wird die Krinnespitze von Rauth angegangen, wir wollten
aber die Tour mit einer kleinen Gratkraxelei würzen und
folgten grob dem Sommerweg von Nesselwängle aus. Dabei steigt man zunächst in der Verlängerung der Übungslifts durch den Wald auf,
und hält sich dann in Aufstiegsrichtung links um auf den Grat zu gelangen. Den ersten Teil des Grats kann man
noch mit Skiern zurücklegen, dann geht es aber zu Fuß weiter. Der Weg zum Gipfel entpuppt sich als Schneewülerei vom Feinsten.
Ich sinke teilweise bis über die Brust im Schnee ein, brauche an einer Stelle sicher 10min um die vor mir liegende
Schneemauer überwinden zu können. Am Gipfel ist die Sicht gleich Null, wir sehen erst 15m vor dem Gipfel das Kreuz.
Dass außer uns niemand unterwegs ist, ist eigentlich nicht verwunderlich. Bergab geht es mehr oder minder im Blindflug durch allerbesten Pulverschnee.
Auf der Abfahrt überschlägts mich zwischen zwei Hubbeln, da kaum noch Konturen zu erkennen sind. Erst am Abend in Vorderhornbach fällt mir auf, dass ich meine Digitalkamera
verloren habe.
2. Tag: Kamerasuche und Ponten (2044m)
Da es meine Vermutung war, dass ich beim Sturz die Kamera verloren habe, steigen wir am nächsten
Morgen noch mal zur Krinnenspitze auf. Die Chancen die Kamera zu finden scheinen sehr gering zu sein,
zumal es in der Nacht nochmal 25cm geschneit hat. An der vermuteten Sturzstelle gibt es eine weitere Ernüchterung:
Ein Schneebrett ging in der Nacht über den Hang ab, man erkennt keine Spuren mehr. Wir stecken ein
Gebiet von 10m auf 3m ab, hier wollen wir die Kamera suchen. Eine Suche nach der Stecknadel im
Heuhaufen, falls die Kamera überhaupt hier liegen sollte. Ich beginne links, Ronald rechts zu suchen. Mit dem Ski kratze ich die ersten 25 cm Schnee
ab, dann beginne ich mit der Lawinenschaufel ca. 1m tief den Schnee abzutragen. Keine 5min vergehen,
da steht Ronald mit einem breiten Grinsen neben mir und äußert seinen Essenswunsch
für den heutigen Abend. Ich hatte versprochen, für den Fall das wir die Kamera finden, alle zum Essen
einzuladen. Mit wenigen Wischern hatte er die Kamera freigelegt, die Kamera scheint auch noch zu
funktionieren. Ich kann mein Glück kaum fassen, die
Kamera war gerade mal 3 Monate alt, da mir die alte Kamera am Weisshorn erfroren ist. Wir fahren
wieder nach Nesselwängle ab, beraten wie wir den restlichen Tag noch nutzen wollen und beschließen
weiter nach Schattwald zu fahren, um auf den Ponten oder den Bschießer zu steigen. Zwischenzeitlich
sieht es so aus, als ob sich das Wetter bessern würde, aber kaum haben wir die Felle auf die Skier
gezogen, macht es wieder
komplett zu. Die Sicht beträgt nur wenige Meter, wir folgen mehr oder minder blind der Spur die
bis zum Sattel zwischen Ponten und Bschießer führt und dort endet. Wir beschließen auf den Ponten
weiter zu gehen, da dies der einfachere Aufstieg ist. Es macht mal ganz kurz ein wenig auf, für 5 min
sieht man die östliche Wand des Beschießers (was natürlich gleich festgehalten werden musste). Der weitere
Aufstieg zum Ponten ist bis auf die letzten paar Meter recht einfach, aber bei eisigem Wind und so
gut wie keiner Sicht recht ungemütlich. Am Gipfel machen wir nur kurz Rast, fahren auf dem
verblasenen Grat zurück zum Sattel, um dann im besten Pulver wieder nach Schattwald zu fahren.
3. Tag: Pleisspitze (2225m)
Es schneit weiter und weiter, langsam haben wir Sorge, dass wir im Schnee ertrinken. Als Ziel haben wir
für heute die Pleisspitze auserkoren, da diese auch bei großen Neuschneemengen möglich sein sollte.
Ausgangspunkt ist Bichlbächle, dort bekommen wir den Hinweis, dass wir besser nicht durch das Tal
entlang der Weitalb gehen sollen, sondern zunächst durch den Wald mehr in Richtung Hochegg. Die
Empfehlung ist goldrichtig, denn durch die Erwärmung weisen die Südhänge deutliche Risse auf und
bedrohen den Weg durch das Tal. Der Weg geht über die Bichlbächler Alpe und weiter entlang dem Rücken der
Pleisspitze. Wir sehen zwei Tourengänger vor uns, die aber nicht bis zum Gipfel weitergehen und
uns bald entgegenkommen. Lustigerweise kenne ich die Zwei, es handelt sich um einen Ausbilder vom
DAV Stuttgart und seine Tochter. Nach einem kurzen Schwatz steigen wir weiter. Es schneit zwar nicht mehr so stark, aber mit jedem Meter den wir aufsteigen
nimmt der Wind zu und die Sicht ab. Kurz vor dem Gipfel treffen wir zwei weitere Tourengänger, was
mich völlig irritiert, da wir keine Spur vor uns haben. Die Zwei hatten den gleichen Weg wie wir
gewählt, aber es windet so stark, dass die Spur innerhalb weniger Minuten wieder zugeweht ist. Nach
einer kurzen Rast am Gipfel geht es über unverspurte Tiefschneehänge und einer
klasse Abfahrt durch dichten Nadelwald zurück nach Bichlbächle.
4. Tag: Versuch Geißhorn (2366m) / Auf der Mutte (2190m)
Es hat tatsächlich aufgehört zu schneien und wir sind guten Mutes, dass wir die Tour zum
Walser Geißhorn durchführen können. Ausgangsort ist Krumbach, wir stellen das Auto an der
gegenüberliegenden Liftstation ab und machen uns an die Spurarbeit. Es hat strahlend blauen Himmel
und tiefen Pulverschnee. Die Sonne heizt den links zur Aufstiegsspur liegenden Südhängen ordentlich
ein, wir sehen einige Schneebretter, die aus den Steilhängen langsam abrutschen. Wir passieren eine
Stelle direkt unterhalb einer Abrisskante, ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache. Wir sind sehr
vorsichtig bei der Spurwahl und versuchen eine möglichst flache Route rauszusuchen. Auf dem Weg in
Richtung Hochebene Koblat müssen wir aber irgendwann in die südseitigen Hänge wechseln, was mir
nicht wirklich geheuer ist. Nachdem es unter mir zwei Mal deutliche Verfestigungsgeräusche gibt,
verliere ich die Lust weiter zu gehen. Die Stelle ist zwar nicht besonders steil, hier wäre sicher
nichts abgerutscht, aber der weitere Verlauf der Route erscheint mir für den heutigen Tag zu heikel. Wir
brechen also die Tour ab, fahren ein Stück zurück, vespern und genießen die Aussicht. Wir beraten was
wir tun sollen. Es ist eigentlich schon zu spät für eine weitere Tour. Wir könnten zur Jöchlspitze
fahren und dort Ingrid und Kathi auf der Piste abfangen. Aber unter 1500 Hm/d schmeckt das Abendessen
nur halb so gut und deshalb schlägt Ronald vor zum Bernhardseck/Auf der Mutte zu gehen. Eine Tour die
von Elbigenalp aus über eine Fahrstraße führt und wohl auch bei Lawinenstufe 4 durchgeführt werden
kann.
1150 Hm sind zwar nicht mehr im Hellen zu schaffen, aber das macht gerade den Reiz aus. Der
Anstieg verläuft ziemlich flach, dennoch bewältigen wir die Strecke in gut 2 1/2 h.
Die Nacht ist sternenklar und der Mond leuchtet die Strecke schön aus.
Der Aussichtspunkt Auf Der Mutte ist so wenig markant, dass wir dem Grat zu weit folgen und in Richtung Rothornspitze
laufen. Irgendwann bemerken wir unseren Irrtum und machen uns auf den Rückweg. Im Licht der
Stirnlampe geht es dann wieder in Richtung Elbigenalp.
5. Tag: Feuerspitze (2852m)
Die Lawinengefahr ist inzwischen auf 2 (nur noch stellenweise 3) herabgestuft, daher fällt die Wahl für unser heutiges
Tourenziel auf die Feuerspitze. Das Wetter ist 1a, keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Ausgangspunkt für die Feuerspitze ist das
1500m hoch gelegene Kaisers. Von hier folgen wir dem nur leicht ansteigenden Weg
durch das sehr schöne Kaisertal, welches nach der Kaiseralpe einen großen Bogen nach Osten um die
Aplespleisspitze macht. Die Spurarbeit bleibt uns für heute erspart, wir haben wohl ein paar Tourengänger vor uns.
Während auf dem Weg zur Kaiseralpe der steile Zahn des Grießkopfs die Blicke auf sich zieht, beherrschen nun die Vorderseespitze
und die Feuerspitze das Bild. Der Spur zieht sich weiter auf den Kälberlahnzug. Kurz vor der Aufstiegsrinne zur Feuerspitze
machen wir an einem Felsen windgeschützt Rast und können dabei eine Vierergruppe
bei der Abfahrt beobachten. Insgesamt sind jetzt 8 Spuren im Schnee zu erkennen. Der Aufstieg durch die Rinne ist
unproblematisch, ganz oben schnallen wir für 20m die Skier ab und gehen ein Stück zu Fuß. Sollte es hier eisig sein, wären
eventuell Steigeisen hilfreich. Von dem Plateau der Feuerspitze geht es unschwierig weiter zu Gipfel. Der Gipfel bietet ein herrliches Panorama
nur die vor uns liegende Holzgauer Wetterspitze schränkt das Sichtfeld in Richtung Norden etwas ein. Wir verbringen trotz des eisigen Windes eine
ganze Weile auf dem Gipfel, schließlich ist es das erste Mal in dieser Woche, dass wir eine solche Aussicht genießen
dürfen. Bei der Abfahrt vom Gipfel der Feuerspitze gibt es trotz des hohen Pulverschnees noch einige derbe Felskontakte, dennoch ist es eine
Abfahrt zum geniessen.
Beim Rückweg durch das Kaisertal werden aufgrund des geringen Gefälles die Arme etwas gefordert. Insgesamt gesehen ist die Tour zwar recht lang (mit Pausen ~6h), aber nicht besonders
anspruchsvoll. Landschaftlich ist es grandios und daher sehr lohnend.
6. Tag: Bschießer (2000m)
Abreisetag und daher ist nur Zeit für eine kurze Tour. Wir fahren nach Schattwald, Ingrid und Kathi fahren auf
der Piste und wir gehen bei bestem Wetter (mal wieder) auf den Bschießer. Diesmal biegen wir allerdings schon vor der
Stuibensennalpe in Richtung Westen ab, um auf die NW-Gratseite zu gelangen. Vor uns sehen wir 3 weitere Tourengehergruppen,
die diese einfachere Variante nehmen. Die Spur ist allerdings teilweise so schlecht (unterhalb der Risse in den Südhängen) gelegt,
dass Ronald sich die Mühe macht eine neue Spur zu legen. Am recht verblasenen Grat angekommen, geht es unschwierg weiter zum Gipfel. Am Gipfel
ist merkwürdiger Weise keine Menschenseele, die anderen Gruppen sind nicht bis zum Gipfel weitergestiegen.
Wir verbringen eine ganze Weile im Sonnenschein am Gipfel. Etwas angespannt bin ich allerdings doch, denn wir haben 2
Spuren in der berühmt-berüchtigten Bschießerrinne gesehen. Die Rinne sieht an sich gut aus, die Wächten sind nicht allzu groß, es hat aber immer noch Lawinenstufe 2.
Kurzes abwägen, dann quere ich in die Rinne, setzte im oberen, steileren Teil meine Spur genau
auf die vorhanden Spuren. Oben muss man in dem zerfahrenen Schnee etwas umspringen, weiter unten gehts dann ohne.
Der Schnee ist griffig, die Rinne ziemlich breit und in diesem Zustand eigentlich unproblematisch abzufahren. Psychisch etwas fordernd war es trotzdem. Unten angekommen
gehe ich aus der Schusslinie und warte bis Ronald nachkommt. Leicht endorphingeschwängert geht zurück zum Parkplatz nach Schattwald.
Das Album enthält 74 Bilder
Es entstand am 08.01.2006 / 11:06
JAlbum 6.0