Skitouren-Wochenende im Averser Tal


Aufgrund der recht angespannten Lawinensituation im restlichen Alpenraum verschlug es uns in das südliche Mittelbünden, genauer gesagt nach Juf im Avers. Juf gilt als die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung in Europa und ist ein guter Ausgangspunkt für viele Skitouren. Wir machten an diesem Wochenende zwei Touren: Den Mazzaspitz und das Gletscherhorn, beide über eher eigenwillige Routen...:
Nach ca. 4 stündiger Fahrt in Juf angekommen, machen wir uns direkt auf den Weg in Richtung Mazzaspitz. Dabei geht man von Juf aus in Richtung Norden zu den Flüeseen und von dort unschwierig zum Fuß des Mazzaspitz. Der Normalweg folgt dann über den Südgrat, wir beschließen aber, dass wir einen direkten Aufstieg über die Rinne wagen können, welche im SAC-Führer als schwierige Abfahrtsvariante angegeben ist. In der Rinne schnallen wir die Skier ab und gehen zu Fuß weiter. Während wir im unteren Bereich der Rinne sehr schnell voran kommen, brauchen wir im mittleren Abschnitt eine ganze Weile bis wir eine mögliche Route durch die Rinne finden. Der Schnee liegt in diesem Bereich einfach zu locker, aber über die Felsen kommen wir auch nicht weiter, da das Gestein glitschig und sehr brüchig ist. Letztendlich finden wir aber einen Weg, ganz am rechten Rand der Rinne. So richtig folgen wir der angegebenen Route auch nicht, sondern steigen weiter entlang der Rinne bis kurz unterhalb des Ostgrats und von dort zum Gipfel. Den groben Routenverlauf sieht man hier. Oben pfeift ganz ordentlich der Wind (laut slf bis ca. 80 km/h) und die Wolken geben nur teilweise den Blick auf die Umgebung frei. Der Abstieg durch die Rinne ist dann unproblematisch und geht schnell. Wir schnallen die Skier wieder an und fahren ab nach Juf. Zurück am Auto fällt mir auf, dass ich meinen Schlafsack vergessen habe. Es sollte eine recht frostige Nacht im Biwacksack für mich werden.


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Für den nächsten Tag hatten wir eigentlich den Piz Duan geplant - da es aber die ganze Nacht durchgestürmt hatte, waren wir uns nicht sicher, ob wir überhaupt eine Tour unternehmen können. Als sich das Wetter etwas beruhigt hatte, war es schon zu spät für eine solch lange Tour. Daher entschlossen wir uns dem näher gelegenen Gletscherhorn ein Besuch abzustatten. Ausgangspunkt ist Juppa. Von hier geht es normalerweise über die Stationen Olta Stöffel - Uf de Büele - zum Gipfel. Mir ist im nach hinein nicht so ganz klar warum, aber im Prinzip folgen wir von Anfang an nicht der vorgeschriebenen Route, nehmen daher einige Umwege, müssen mehrere Flussrinnen durchqueren und verwenden zum Schluss eine Steilrinne um zum Gipfelhang zu gelangen. Am Gipfelhang wird der ohnehin sehr starke Wind richtig stürmisch, aber damit war zu rechnen. Als ich ca. 5 Hm unter dem Gipfel bin, geht es mit den Skiern nicht mehr weiter. Der Wind ist so stark, dass ich keinen Schritt weiter machen kann. Auf den Stöcken abstützend, mit dem Rücken gegen den Wind kauernd, wartete ich darauf, dass der böige Wind kurz nachlässt. Tut er aber nicht. An meinem Gesicht fegen Schnee, Eis aber auch kleine Steinchen vorbei. Der Wind ist eisig, mein Thermometer zeigt -12°C an. Die Skier will ich hier nicht ausziehen, da ich Angst habe, sie würde es vom Grat wehen. Ne, das hat keinen Sinn, ich muss absteigen. Ich drehe mich um und sehe Ronald winkend einige Meter unter mir. Ich steige die paar Meter frontal gegen den Wind ab, mein Gesicht ist dem Wind für einige Sekunden voll ausgesetzt. Ronald hat einen gespaltenen Fels gefunden, in dem wir unsere Sachen ablegen können, ohne das sie davon fliegen. Meine Frage, ob ich weiße Flecken im Gesicht hätte, bejaht er. Wir legten die Skier und Rucksäcke ab, ich krame meine Sturmhaube hervor und kratze die Eisschicht von meiner Brille. Zu Fuß legen wir die letzten 15 Hm zurück, oben blendet uns die Sonne von vorne und der Wind bläst den Schnee an unseren Köpfen vorbei über den Gipfel. Der Gipfel hat einen grell erleuchteten Kranz aus Schnee um sich. Es sieht phantastisch aus. Ich schätze wir waren ca. 5 sec auf dem Gipfel und steigen, die Skier zunächst einige Meter tragend, sofort ab. Wir folgen der mit Steinmännchen markierten Abfahrtsroute, wobei wir schneetechnisch einiges geboten bekommen (Eis, Harsch, Pulver). Der Rückweg nach Juppa zieht sich eine ganze Weile, aufgrund des geringen Gefälles bzw. einiger Gegenanstiege muss öfter mal geschoben werden. Im Schein der Stirnlampen kommen wir in Juppa an und machen uns auf die Heimreise. Für die Tour zum Gletscherhorn werden normalerweise knapp 6h veranschlagt, wir haben heute aufgrund der Umwege und der widrigen Umstände ~9h gebraucht.


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Das Album enthält 27 Bilder

Es entstand am 29.01.2006 / 13:31

JAlbum 6.0


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