Ostertour in den Berner Alpen
Anreise und erster Tag
Wohlgenährt, aber ziemlich übermüdet starteten Ronald und ich am Ostermontag Morgen in
Richtung Berner Oberland. Hauptziel war eigentlich das Aletschorn über die Haslerrippe zu
besteigen, aber nachdem der Hüttenwart der Hollandiahütte die Rippe als zur Zeit nicht machbar
einstuft hatte und auch noch das Wetter sehr wechselhaft vorrausgesagt war, war eine flexible
Tourenplanung gefragt. Nach knapp 5h Fahrt kamen wir in Blatten an und machten uns unverzüglich
auf zur Anenhütte. Der Weg durch das schöne Lötschental ist einfach und dauert ca. 3h. Dennoch schaffte ich es, dank
unzureichender Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr mir den ersten Hungerast der Saison zu
verpassen - und das ca. 500m vor der Hütte, grandios!
In der Hütte war trotz Bewartung sehr wenig Betrieb, außer uns waren dort nur zwei weitere
Gruppen. Schön für uns, aber die Hütte und ihr sehr engagierter und freundlicher Hüttenwart
hätten mehr Besucher verdient. Tourenmöglichkeiten gibt es genügend. Nachdem sowohl die
Schweizer Gruppe als auch der Hüttenwart uns die Tour über den Anungletscher zum Mittaghorn an
Herz legte, stand zumindestens schon mal das Programm für den nächsten Tag fest. Die Tour führt mitten durch
den Bruch des Anungletscher und benötigt daher gute Bedingungen. Schnee gabs mehr als genug und
auch wenn es zwischendurch komplett zu machte, stellte dies Dank der spitzen Spuranlage der Schweizer
Kollegen vom Vortag kein Problem dar. Kurz vor dem Gipfel wird es etwas steiler und eisiger, mit
Steigeisen ging es daher unschwierig zum Gipfel. Am Gipfel machte es wieder auf, wir können den
Ausblick auf Aletsch-, Bietsch oder Wannenhorn genießen. Die Haslerippe sieht von hier gar nicht
so schlecht aus, nur im oberen Bereich ist es etwas blank. Wir steigen über den Normalweg ab und
fahren zur Hollandiahütte. Ich liebäugelte noch mit einen Aufstieg zur Äbeni Flue, wir entschließen
uns aber uns diese Tour für schlechtes Wetter aufzuheben. Die Tour ist in umgekehrter Richtung
wesentlich lohnender!
In der Hollandiahütte gab es eine recht unschöne Diskussion mit dem Hüttenwart. Wir wollen
wissen warum er die Haslerippe für nicht machbar hält, kriegen aber keine befriedigende
Antwort. Nach der Wetterprognose fragend, kriegen wir zu hören, dass man das Wetter hier
schlecht vorhersagen könne. Leicht irritiert rufen wir auf der Konkordiahütte an. Das Wetter
soll sich stabilisieren. Die Haslerrippe sei dieses Jahr noch
nicht gemacht worden, der Zustand wird vom Hüttenwart der Konkordiahütte als schwierig aber machbar eingestuft.
Wir entschließen uns es zu probieren. Doch dann geht das Theater weiter. Nachdem wir den Hüttenwart der Hollandiahütte bitten uns
ein früheres Frühstück als um 6:00 morgens zu ermöglichen, kriegen wir die Antwort, dass er für
zwei Personen nicht früher aufstehen würde. Das man das Frühstück nur abends rausstellen müsste,
wurde anfangs nicht akzeptiert. Erst nach längerer Diskussion über Sicherheit, Usus auf anderen
Hütten etc. bekommmen wir ein Frühstück zu einem früheren Zeitpunkt. Unfassbar...
Zweiter Tag - Aletschhorn
Nach unserem hart erkämpften Frühstück, ging es zum Fuß der Haslerrippe. Als wir vor dem Einstieg
standen, war mir beim Anblick der sich vor uns aufbauenden Nordflanke schon ein bisschen mulmig zu mute und Ronald ging es, glaube ich, ähnlich.
"Sometimes you will notice traces of crazy mountaineers that carry the skis from the
Aletschgletscher (3000m) up here" steht auf summitpost.org - dazu kommt noch Verpflegung für
vier Tage, 1l Rotwein und und und - ich möchte nicht wissen was mein Rucksack gewogen hat.
Wir nahmen den Einstieg über das
eisschlaggefährdete Firnfeld und nicht direkt über das Felsband. Hier gab es durch einen
Serac-Abbruch sehr festen Trittschnee. Da wir im Schnee recht gut vorankamen, querten wir nicht, wie
sonst üblich, zur Rippe, sondern stiegen weiter im Firn, um erst in der oberen Hälfte
auf die Rippe zu stoßen. Ab hier folgten wir ihrem Verlauf, das Gelände ist
kombiniert, aber nicht besonders schwierig (
Routeverlauf).
Das Gestein ist brüchig, aber nicht so schlimm
wie man an manchen Stellen zu lesen ist. Dazu alles etwas eisig, im oberen Teil ist es neben der
Rippe blank. Im Großen und Ganzen aber unproblematisch und so stehen wir nach 4:30h trotz
heftiger Spurarbeit im mittleren Teil am Ausstieg. Hier fällt die erste Anspannung ab und wir
machen eine längere Rast. Dabei begegenen wir einem Bergführer mit Kundin, der sich bereits auf
dem Rückweg befindet. Er hätte uns schon im Aufstieg gesehen und hätte sich gedacht "Respekt die
Herren". Das freut uns natürlich ganz besonders. Weiter geht es über den Nordostgrat, wir
wählen dann die Variante mit Verlauf unterhalb des Vorgipfels. Der Weg ist an zwei, drei Stellen
noch mal recht ausgesetzt, unter dem Vorgipfel ist es unangenehm eisig. Kurz vor dem Gipfel
treffen wir noch ein Schweizer Pärchen, an diesem Tag waren nur sechs Personen auf dem
Aletschhorn. 9h nach Aufbruch stehen wir dann endlich am Gipfel, bei bestem Wetter. Wir lassen
uns viel Zeit genießen den Moment und das Panorama, bevor wir uns an den Abstieg machen. Die Überschreitung des Dreieckhorn wollen
wir uns an diesem Tag nicht mehr antun und fahren ab zum Mittelaletschbiwak.
Dritter Tag - Dreieckhorn
Am nächsten Tag lassen wir es gemütlich angehen, das sehr schmucke Mittelaletschbiwak lädt auch
wirklich zum verweilen ein. Etwas spät dran brechen wir auf zum Dreickhorn, beschließen im
Gegensatz zur eingezeichneten Route Punkt 3490 links zu umgehen, was sich als Fehler
herausstellte, denn der Hang war eisig und unangenehm zu spuren. Wir steigen daher mit Steigeisen weiter und
kommen nur langsam voran.
Vor dem Gipfelhang schnallen wir wieder die Skier an, es folgte die unangenehmste Spurarbeit
seit langem. Der Hang ist bis zu 45° steil, die Unterlage teils eisig, teils mit einer dünnen schmierigen
Schicht versehen und an anderen Stellen wiederum brüchig. Ein Eiertanz, mit jedem Schritt kämpfe
ich um Halt. Die Spur die ich hinterlasse scheint gar nicht so schlecht zu sein, ich glaube
Ronald konnte gar nicht nachvollziehen, warum ich teilweise jammernd teilweise fluchend (was
normalerweise überhaupt nicht meine Art ist und ich bei anderen Menschen auch nicht besonders
schätze :-( ) vor ihm gehe. 25 Hm vor Ende des Gipfelhangs bin ich nervlich am Ende. Die Stelle
ist zudem etwas steinschlaggefährded und die Sonne steht inzwischen senkrecht auf dem Hang. Ich frage
Ronald ob er vorgehen will oder ob wir abschnallen wollen. Ronald will weiterspuren, wäre aber
um ein Haar gleich beim ersten Schritt abgeschmiert. "Aus, Aus" ruft er, wir gehen zu Fuß bis
zum Grat und von dort bis zum Gipfel. Von hier steigen wir über kombiniertes Gelände ab und es
folgte eine der schönsten Abfahrten, die ich je gemacht habe. Wir nehmen gleich den ersten
Steilhang statt der Standardroute zu folgen, gute 45° auf 200Hm mit abschließenden Hüpfer
über den Bergschrund. In der Tiefe sieht man den Aletschgletscher und die Konkordiahütte, die
Abfahrt zieht sich spektakulär zwischen den Dreiecken durch. Eine grandiose, schön steile,
1200Hm lange Abfahrt im besten Pulverschnee. 9h nach Verlassen des Mittelaletschbiwaks haben wir
dann auch die Treppen der gut gefüllten Konkordiahütte erklommen.
Vierter Tag
Den Plan an diesem Tag auch noch die Jungfrau zu besteigen, haben wir am Vorabend trotz
angeblich bester Bedingungen schon verworfen, das wäre, verbunden mit der Heimfahrt dann doch
etwas zuviel des Guten. So steigen wir nach einem etwas spärlichen Frühstück zur Lötschenlücke
und fahren die 1500 Hm nach Blatten ab. Während ich mich am Dorfbrunnen etwas erfrische, nimmt
Ronald ein ausgiebiges Bad in der teilweise noch gefrorenen Lonxa...
Das Album enthält 88 Bilder
Es entstand am 23.04.2006 / 20:55
JAlbum 6.2